Preise und Kosten von Hörgeräten (Teil 2)


07. Januar 2020   ·   René Kleine

Erfah­ren Sie, was Sie als Rent­ner beim Kauf eines Hör­ge­räts beach­ten soll­ten, welche Ober­gren­zen es gibt und mit wel­chen Fol­gen­kos­ten Sie rech­nen müss­ten. Im ersten Teil meines Arti­kels Preise und Kosten von Hör­ge­rä­ten zeige ich Ihnen die Unter­schiede zwi­schen privat und gesetz­lich Ver­si­cher­ten und den ein­zel­nen Modell­klas­sen auf.

Was zahle ich als Rent­ner?

Den Kran­ken­kas­sen­bei­trag erhält sowohl jemand, der Rente bezieht als auch jemand, der berufs­tä­tig ist. Sollte sich ein gesetz­lich ver­si­cher­ter Rent­ner oder Berufs­tä­ti­ger für ein Kas­sen­ge­rät ent­schei­den, bezahlt dieser nur 10 EUR pro Ohr. Ist der­je­nige zuzah­lungs­be­freit, muss er auch diese 10 EUR (oder 20 EUR für beide Ohren) nicht zahlen, son­dern bekommt das Hör­ge­rät kos­ten­frei.
Die Beson­der­heit hier­bei: Wenn ein gesetz­lich Ver­si­cher­ter ein Kas­sen­ge­rät erhält, sind in den fol­gen­den sechs Jahren alle Repa­ra­tu­ren kos­ten­frei. Ent­schei­det er sich hin­ge­gen für ein Zuzah­lungs­ge­rät, muss er sich in den sechs Jahren auch an etwai­gen Repa­ra­tur­kos­ten betei­li­gen.

Wie lange ist die Ver­ord­nung für ein Hör­ge­rät gültig?

Das ist von Kran­ken­kasse zu Kran­ken­kasse unter­schied­lich. Bei eini­gen ist die Ver­ord­nung ledig­lich 28 Tage gültig, bei ande­ren kann sie bis zu einem halben Jahr gültig sein.
Das Opti­male wäre, wenn Sie mit Ihrer Ver­ord­nung zu Ihrem Akus­ti­ker gehen und dieser stellt eine Ver­sor­gungs­an­zeige bei der Kran­ken­kasse (diese gilt als Vor­in­for­ma­tion, damit die Kran­ken­kasse weiß, welche Kosten bei diesem Kunden zu erwar­ten sind). Wenn die Ver­sor­gungs­an­zeige gestellt wurde, hat man als Kunde theo­re­tisch zwei Jahre Zeit, ver­schie­dene Hör­ge­räte aus­zu­pro­bie­ren. Bei privat Ver­si­cher­ten hat die Ver­ord­nung eine immer­wäh­rende Gül­tig­keit. Dort exis­tiert keine zeit­li­che Begren­zung.

Besit­zen pri­vate Kran­ken­kas­sen eine Ober­grenze?

Einige pri­vate Kran­ken­kas­sen zahlen mehr als 3.000 EUR für beide Ohren. Je nach Tarif des Ver­si­cher­ten kann es mög­lich sein, dass die Kran­ken­kasse mehr oder auch weni­ger zahlt. Als privat Ver­si­cher­ter kann man sich vorher dar­über infor­mie­ren, was von den Kran­ken­kas­sen über­nom­men wird. Auch bei der Regel­ver­sor­gungs­zeit gibt es Unter­schiede. Es gibt Kran­ken­kas­sen, die bereits nach drei Jahren wieder neue Hör­ge­räte bezu­schus­sen.

Ein Tipp: Klären Sie die Moda­li­tä­ten der Kran­ken­kasse von Vor­ne­her­ein ab, damit Sie sich darin sicher sind, an welche Richt­li­nien Sie sich halten soll­ten oder müssen.

Habe ich einen Anspruch auf Hör­ge­räte, die die Kran­ken­kas­sen­leis­tun­gen über­stei­gen?

In der Regel nicht, denn die Kran­ken­kas­sen haben ihre Zuzah­lun­gen bereits 2013 von ca. 800 EUR auf 1.500 EUR ange­ho­ben. Haupt­säch­lich des­we­gen, damit der Kunde auch im Stan­dard- bzw. Kas­sen­be­reich eine bes­sere Ver­sor­gung bekommt. Wenn ein Kunde ein Hör­ge­rät möchte, das die Kran­ken­kas­sen­leis­tun­gen über­steigt, kann er natür­lich Klage beim Sozi­al­ge­richt ein­rei­chen. Das ist dann in der Regel aber eine pri­vate Aus­gabe, die man selbst zu tragen hat. Dar­über hinaus kann sich solch ein Pro­zess zwei bis drei Jahre hin­zie­hen und ergibt daher eher wenig Sinn.

Gibt es Min­dest­stan­dards?

Ja, die gibt es. Sie wurden 2013 ein­ge­führt und besa­gen fol­gen­des:

  • Ein Hör­ge­rät muss min­des­tens vier Kanäle besit­zen, also vier Ein­stell­mög­lich­kei­ten für den Akus­ti­ker
  • Es müssen min­des­tens drei Hör­pro­gramme ein­stell­bar sein, wie z. B. Musik, Gesell­schaft oder Tele­fon
  • Es müssen sowohl Stör­ge­räusch­un­ter­drü­ckung als auch eine Rück­kop­pe­lungs­un­ter­drü­ckung vor­han­den sein

Es ist davon aus­zu­ge­hen, dass alle Hör­ge­rä­te­her­stel­ler Geräte anbie­ten, die Ihrem Budget und Ihren Bedürf­nis­sen ent­spre­chen. Soge­nannte High-End Geräte ent­hal­ten ihrem Namen ent­spre­chend die besten und neu­es­ten Funk­tio­nen. Ein­fa­che Modelle dage­gen ent­hal­ten die vom Gesetz­ge­ber vor­ge­schrie­be­nen Basis­funk­tio­nen und sind damit natür­lich auch wesent­lich güns­ti­ger.

Wie komme ich zur Kos­ten­über­nahme der Kran­ken­kasse?

Wie bereits vor­her­ge­hend erwähnt wird eine Ver­ord­nung benö­tigt, mit der Sie sich an Ihren Akus­ti­ker wenden. Dieser stellt dann die Ver­sor­gungs­an­zeige und dar­auf­hin bekom­men Sie per Post von der Kran­ken­kasse einen Bescheid, ob eine Kos­ten­über­nahme statt­fin­det oder nicht. Der Akus­ti­ker selbst wird auch infor­miert, sodass Sie als Kunde im Grunde mit sämt­li­chen Moda­li­tä­ten nichts zu tun haben, son­dern der Hör­akus­ti­ker sich um Alles küm­mert. Dies ist im Ser­vice mit inbe­grif­fen.

Gibt es Unter­schiede bei den Kran­ken­kas­sen?

Ja. Einige Kran­ken­kas­sen ver­zich­ten vorab durch­aus auf solch eine Ver­sor­gungs­an­zeige, das ist aber eher selten der Fall. Auch bei der Zuzah­lung gibt es Unter­schiede. Diese sind zwar nicht gra­vie­rend, aber soll­ten im ersten Bera­tungs­ge­spräch ange­spro­chen und geklärt werden. Der Akus­ti­ker ist meist gut dar­über infor­miert, welche Kran­ken­kas­sen welche Ansprü­che stel­len.

Gibt es nach dem Kauf Fol­ge­kos­ten?

Wenn sich ein Ver­si­cher­ter für ein Zuzah­lungs­ge­rät und damit gegen ein Kas­sen­ge­rät ent­schei­det, zahlt die Kran­ken­kasse dem Hör­akus­ti­ker vorab eine Repa­ra­tur­pau­schale. Diese beträgt in der Regel 250 EUR für beide Ohren bei einem Ver­sor­gungs­ab­schluss. Diese Pau­schale gilt dann für sechs Jahre. Danach hat der Kunde wieder einen Anspruch auf ein neues Hör­ge­rät.

Stehen Repa­ra­tu­ren an, werden diese 250 EUR auf­ge­braucht. Über­stei­gen die Kosten die 250 EUR in den sechs Jahren, wird der Kunde mit ein­be­zo­gen und muss die Kosten selbst antei­lig tragen.

Hier ist zu sagen, dass die Kosten selten bis gar nicht über­schrit­ten werden, wenn ein Kunde seine Hör­hilfe rich­tig pflegt und die mit dem Akus­ti­ker ver­ein­bar­ten regel­mä­ßi­gen War­tungs­ter­mine ein­hält und wahr­nimmt.
Ein pri­vat­ver­si­cher­ter Kunde bekommt eine Rech­nung, soll­ten Repa­ra­tu­ren anste­hen. Diese gibt er an seine Kran­ken­kasse weiter, die diese dann über­nimmt.
Ent­schei­det sich ein gesetz­lich Ver­si­cher­ter für ein zuzah­lungs­freies Gerät, sind alle Repa­ra­tu­ren in den fol­gen­den sechs Jahren kos­ten­frei. Stehen nach Ablauf der sechs Jahre noch Repa­ra­tu­ren an, besteht ohne­hin Anspruch auf ein neues Hör­ge­rät und eine Repa­ra­tur ist dann nicht mehr nötig. Dies gilt sowohl für gesetz­lich als auch für privat ver­si­cherte Kunden.

Wer küm­mert sich um die Abrech­nung der Kran­ken­kasse?

Das über­nimmt Ihr Hör­akus­ti­ker für Sie. Sie als Kunde haben damit nichts zu tun.

Hörgerät mit Bluetooth Verbindung

Was kos­test das Zube­hör für ein Hör­ge­rät und welche Vari­an­ten des Zube­hörs gibt es?

Als Zube­hör für Hör­ge­räte zählen z.B. Fern­be­die­nun­gen, Akku­la­de­sta­tio­nen, Blue­tooth Ver­bin­dun­gen mit dem Fern­se­her, Handy oder mit dem Fest­netz­te­le­fon.
Solch ein Zube­hör wird weder bei einem gesetz­lich noch bei einem privat Ver­si­cher­ten von seiner Kran­ken­kasse über­nom­men.
Aller­dings gibt eine Aus­nahme: bei Kin­der­hör­ge­räte.
Sind Kinder schwer­hö­rig, brau­chen sie Mikro­fone oder eine Funk­an­lage, damit sie z.B. den Lehrer ver­ste­hen und am Unter­richt teil­neh­men können. Die Kran­ken­kas­sen über­neh­men sol­ches Zube­hör. Kinder haben auf diesem Gebiet eine beson­dere Stel­lung.
Bei Erwach­se­nen ver­hält es sich so, dass hier in der Regel von den Kran­ken­kas­sen kein Zube­hör bezu­schusst wird.

Die Kosten einer Fern­be­die­nung liegen bei etwa 100 EUR, einer Akku­la­de­sta­tion bei etwa 300 EUR, die Ver­bin­dung mit dem Fern­se­her via Blue­tooth bei etwa 150 EUR und FM-Anla­gen für Kinder bei ca. 2.000 – 3.000 EUR

Gesamt­kos­ten im Jahr

Bei Hör­ge­rä­ten für beide Ohren belau­fen sich die jähr­li­chen Kosten auf ca. 50 – 70 EUR und sind damit sehr über­schau­bar. Benö­tigt werden haupt­säch­lich Bat­te­rien und Pfle­ge­mit­tel

Wes­halb sollte ich ein Hör­ge­rät kaufen?

Mit dem Kauf eines Hör­ge­räts inves­tie­ren Sie nicht nur in Ihre Gesund­heit. Denn das Ziel ist es auch, Ihre Lebens­qua­li­tät zu stei­gern.

Mein Tipp lautet daher: Fangen Sie nicht erst an, wenn es zu spät ist. Eine früh­zei­tige Ver­sor­gung erleich­tert Ihnen den Ein­stieg in die neue Klang­welt und die Wahr­schein­lich­keit, dass die Hör­ge­räte unge­braucht in die Schub­lade wan­dern ist sehr gering. Gemein­sam finden wir das opti­male Gerät für Sie – vom Klang her betrach­tet und in der gewünsch­ten Preis­klasse.


Falls Sie Fragen haben, wenden Sie sich jeder­zeit an mich per E-Mail, Tele­fon oder per­sön­lich im Fach­ge­schäft. Ich stehe Ihnen stets bera­tend und unter­stüt­zend zur Seite.

Ihr René Kleine

Rufen Sie mich an


Alle Themen des Akustik Blogs

So finden Sie uns in Berlin

Uhlandstraße 94 · 10717 Berlin

Mit der U7 bis zur Blissestraße oder mit den Buslinien 101, 104, 249 oder 310

Rufen Sie mich an

030 / 863 994 09

Ich bin für Sie von Montag - Freitag von 09:30 - 18 Uhr erreichbar. Gern auch per Email ( ).